Archiv der Kategorie: Königsstadt Naga

Sonderausstellung “Königsstadt Naga”: Internet-Special

Die Internet-Bildershow zur Naga-Ausstellung zeigt bildschirmfüllend Fotos von Ausgrabungs-Orten und Objekten.

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Sonderausstellung “Königsstadt Naga”:
Naga in die World Heritage List der UNESCO aufgenommen

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Webseite der UNESCO: http://whc.unesco.org/en/list/1336/

Die antike meroitische Stadt Naga, die in der Münchner Sonderausstellung “Königsstadt Naga – Grabungen in der Wüste des Sudan” erstmals der Weltöffentlichkeit vorgestellt wird, hat soeben eine außergewöhnliche Anerkennung ihrer historisch-kulturellen Bedeutung erfahren.

 

 

 

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Am 25. Juni 2011 ist Naga vom World Heritage Committee der UNESCO in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen worden.

Damit finden die langjährigen Bemühungen der National Corporation for Antiquities and Museums, der Antikenverwaltung des Sudan, um die noch wenig erforschten und selbst der Fachwelt nur unzulänglich bekannten antiken Stätten des Sudan die gebührende Anerkennung. Für die UNESCO-Entscheidung dürfte wohl auch die vorbildhafte Konzeption von Restaurierung und Denkmalpflege in Naga eine Rolle gespielt haben.

Zusammen mit der Hauptstadt Meroë und dem Kultort Musawwarat war die antike Stadt Naga eines der Zentren des meroitischen Königreichs (300 v. Chr. – 350 n. Chr.), des mächtigen südlichen Nachbarn und Rivalen des ptolemäisch-römischen Ägypten.

Das in Naga tätige Grabungsteam des Ägyptischen Museums Berlin und das Ägyptische Museum München als erste Station der Naga-Ausstellung sehen in der UNESCO-Entscheidung eine Bestätigung der gerade an diesem Ort und in seinem reichen Fundmaterial erlebbaren Stellung des meroitischen Reiches als Kulturbrücke zwischen Afrika und der Welt des Mittelmeers. Die Aufnahme von Naga in die Liste des Weltkulturerbes rückt eine nahezu unbekannte Region und Epoche der Antike ins Blickfeld der Forschung und der Öffentlichkeit. Sie ist eine wichtige Grundlage für die weitere Erschließung und Bewahrung der historischen Stätten des Sudan und ein Beitrag zur kulturellen Identität der (ab 9. Juli 2011) zwei sudanesischen Staaten.

Durch die Aufnahme von Naga in die World Heritage List gewinnt auch die Sonderausstellung “Königsstadt Naga – Grabungen in der Wüste des Sudan”, die noch bis 31. Juli 2011 im Staatlichen Museum Ägyptischer Kunst München zu sehen ist und vom 31. August bis 18. Dezember 2011 in Berlin im KUNSTFORUM der Berliner Volksbank gezeigt werden wird, zusätzliche Bedeutung und Aktualität.

http://whc.unesco.org/en/list/1336/
http://whc.unesco.org/en/news/771

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Objekt des Monats Juni ’11:
Statue der Göttin Isis

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Fayence, H. 49,6cm, Br. 16 cm, T. 13,2 cm, 1. Jhdt. n.Chr., aus dem Sonnenhof des Amun-Tempels in Naga

Die Figur aus türkisgrüner Fayence konnte erst im Verlauf mehrerer Grabungsjahre aus Einzelfragmenten zusammengefügt werden. Zunächst wurde die Basis mit den Füßen gefunden. Sie stand in offenbar originaler Positionierung auf dem Altar im Sonnenhof des Amuntempels neben einem Opferbecken und einem Stapel von Keramiktellern. Beine und Unterkörper, der in zwei Fragmente zerbrochene Oberkörper sowie kleine Bruchstücke des Kopfes mit Diadem und Kronenuntersatz fanden sich im Schutt von drei angrenzenden Räumen. Beim Einsturz des Amuntempels hatten die nach Osten kippenden Säulen des Hypostyls die Rückwand des Sonnenhofes über dem Altar zusammenbrechen lassen, auf dem gerade noch geopfert worden war. Die Bruchstücke des aus dem Schutt ragenden oberen Teils der Fayencefigur wurden über das Umfeld verstreut.

 

Ein flacher Rückenpfeiler und die rechteckige Basis geben der Figur ihre formale Struktur, die ebenso dem ägyptischen Vorbild folgt wie das für Frauenfiguren typische Voransetzen des linken Fußes. Über dem beiderseits einer senkrechten Doppelfalte symmetrisch in Falten gelegten Kleid liegt ein Schultertuch, das zwischen den vollen Brüsten in einem Knoten zusammengefasst ist. Auf den Schultern sind die unteren Enden einer zu Löckchen gedrehten Frisur erhalten geblieben. Diese Frisur und der Gewandknoten sind eindeutige ikonographische Indizien für eine Darstellung der Göttin Isis. Als Göttin hält Isis in ihrer rechten Hand ein Lebenszeichen. Schmuckreifen sind an Oberarm, Unterarm und Handgelenk zu erkennen.

Zahlreich sind die ikonographischen Parallelen, die diese Isis-Statue in den Kontext ptolemäisch-römischer Skulpturen stellen, in denen das ägyptische Formprinzip in hellenistische Tracht gekleidet ist. Wenn es zunächst scheint. daß diese Statue ein Importstück aus dem römischen Ägypten sein könnte, so läßt doch die Stilistik der Körperbildung keinen Zweifel, dass es sich um das Werk meroitischer Künstler handelt. Ein Vergleich mit spätptolemäischen und römischen Frauenfiguren zeigt, dass die dicken Arme, die kurzen Beine und die kräftig ausgebildeten Oberschenkeln und Hüften der Statue jenes Ideal weiblicher Schönheit darstellen, das auch die Frauenfiguren der Tempelreliefs und Stelen von Naga prägt. So verbinden sich in dieser Statue Aspekte der ägyptischen, hellenistisch-römischen und meroitischen Kunst zu einem künstlerisch autonomen Werk.

(Das Objekt ist bis 31. Juli 2011 in der Ausstellung „Königsstadt Naga“ zu sehen.)

 

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Objekt des Monats Mai ’11:
Stele der Königin Amanishakheto

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Sandstein, H. 25,5 cm, Br. 14 cm, T. 3,5 cm, 1. Jhdt. n.Chr., Aus dem Säulensaal des Amun-Tempels in Naga

Unter den seitlich weit herabhängenden Flügeln der Sonnenscheibe, die das Halbrund des oberen Stelenabschlusse füllen, stehen zwei Frauenfiguren einander gegenüber. Die rechte ist durch eine Inschrift in meroitischen Hieroglyphen über ihrer Stirn als die Königin Amanishaketho bezeichnet, deren Körperfülle einem afrikanischen Schönheitsideal entspricht. Sie wird von einer schlankeren Frau umarmt, die durch ihren Kopfputz – ein Falkenpaar in einer Mondsichel – als Göttin ausgewiesen ist. 

Diese Göttin ist auch in den Reliefs des Löwentempels von Naga dargestellt, dort ist die Beischrift nicht lesbar. Erst diese Stele liefert am linken Rand ihren Namen: Amesemi, eine meroitische Göttin, die in Ägypten nicht belegt ist. Sie ist die Gemahlin des meroitischen  Löwengottes Apedemak.

Amesemi fasst mit ihrer Rechten die Königin am Ellbogen, legt den linken Arm um ihre Schulter und umfasst ihren Nacken mit der Hand. Aus dem Zeigefinger dieser Hand entspringt eine Reihe kleiner Punkte, die über den Scheitel der Amanishakheto bis zu ihrer Stirn laufen, vermutlich eine Darstellung des aus der göttlichen Hand fließenden, die Königin umhüllenden Schutzes. Ebenso originell ist das Motiv der Kette von Lebenszeichen, die die Nasen beider Frauen verbindet: Göttlicher Lebenshauch strömt von Amesemi zu Amanishakheto. Beide Motive zeigen die Eigenständigkeit der meroitischen Ikonographie.

(Das Objekt ist bis 31. Juli 2011 in der Ausstellung „Königsstadt Naga“ zu sehen.)

 

 

 

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Sonderausstellung “Königsstadt Naga”:
Impressionen der Ausstellung

 

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Sonderausstellung “Königsstadt Naga”: Die Film-Dokumentation zur Grabung

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Ausschnitt aus dem 10-minütigen Film “Naga – Grabungen in der Wüste des Sudan”, in welchem Prof. Dietrich Wildung, Field Director Naga Project, Einblicke in das Berliner Grabungsprojekt gibt. Auch die langjährige Grabungsleiterin vor Ort, Dr. Karla Kröper, kommt zu Wort. Die atmosphärischen Bilder des Filmes ziehen den Betrachter in den Bann dieses zeitlosen Ortes. Hier einige Auszüge:

Zur Atmosphäre des Ortes:
“Der Weg vom Niltal nach Naga, 150km nördlich von Khartum, ist schon ein ganz wesentlicher Bestandteil der besonderen Atmospäre dieses Ortes. Wir verlassen gewissermaßen die Gegenwart und tauchen ein in eine unberührte Naturlandschaft …
Ein besonderer Aspekt von Naga liegt darin, dass inmitten der zweitausend Jahre alten antiken Stadt eine Wasserstelle liegt, zu der Tag für Tag von morgens bis abends die Nomaden ihre Tierherden treiben, und diese Integration von neolithischer Lebensweise der Nomaden einerseits, der antiken Denkmäler und der unberührten Naturlandschaft, das ist etwas, was wir erhalten wollen.”

Zur archäologischen Bedeutung:
“Einerseits bestand und besteht unsere Arbeit darin, die über 2000 Jahre aufrecht stehengebliebenen Tempel zu dokumentieren: ihre Architektur, ihre Inschriften, ihre Reliefs. Zum Anderen aber finden wir eine Fülle von Bauwerken, die völlig verschüttet sind, die kaum Spuren an der Oberfläche hinterlassen haben, und das ist natürlich für den Ausgräber etwas besonderes Interessantes, wenn er – wie in dem kleinen Tempel neben dem Amun-Tempel – nicht weniger als eintausendfünfhundert mit Reliefs und Inschriften versehene Blöcke findet, die die Welt bisher nicht kannte.”

Zur politischen Bedeutung:
“Neben der rein wissenschaftlichen Fragestellung ist es für uns auch wichtig und überaus reizvoll, dem Sudan, dem modernen Sudan, einen Teil seiner Geschichte bewusst zu machen, also zum kulturellen und historischen Bewusstsein eines Landes beizutragen, das seine Identität sucht. Da wird unsere archäologische Arbeit sogar ein klein wenig politisch.”

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Der 10-minütige Film ist vollständig in der Ausstellung zu sehen und für 4,95 Euro auf einer – als Postkarte versendbaren – Mini-DVD im Internet-Shop erhältlich. Eine Vertiefung bietet der ebenfalls dort erhältliche Katalog.

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Sonderausstellung “Königsstadt Naga”:
Eröffnung am 15. April 2011

„Im Namen Gottes, des Allmächtigen, des Allerfahrenen“, so begann S.E. Mohamed Abu Zeid Mustafa, Minister für Altertümer, Tourismus und Naturschutz des Sudan sein Grußwort bei der Ausstellungseröffnung im Kaisersaal der Münchner Residenz. Seine in arabischer Sprache gehaltene Rede wurde – wie auch die Worte der nachfolgenden Redner – von Dr. Werner Daum, Botschafter a.D. der Bundeserepublik Deutschland im Sudan, simultan übersetzt, was der Veranstaltung eine ganz besondere Atmosphäre verlieh.

Mehr als 500 Gäste waren der Einladung des Museums am Freitagabend des 15. Aprils gefolgt und nahmen teil an einer Veranstaltung, bei der die Redner nicht nur die Inhalte der Ausstellung vorstellten und die bei einem solchen Anlaß üblichen Danksagungen austauschten, sondern auch deutlich machten, welch wichtige Rolle die Archäologie im politischen Kontext der Völkerverständigung einnehmen und welchen Beitrag sie auch in aktuellen Diskussionen zu liefern imstande ist. Den Video-Mitschnitt der Reden können Sie hier über die Museums-Website nachverfolgen.

Die eigentliche Eröffnung der Ausstellung erfolgte durch Staatsminister a.D. Dr. Otto Wiesheu, der hier in seiner Funktion als Präsident der Deutsch-Arabischen Freundschaftsgesellschaft auftrat. Veronika Ponzer (Harfe) und Christoph Bachhuber (Flöte) umrahmten die Eröffnung musikalisch.

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S.E Mohamed Abu Zeid Mustafa

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Dr. Wolfgang Heubisch

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Dr. Sylvia Schoske

Bereits am Vormittag hatte Dr. Wolfgang Heubisch, Staatsminister für Wissenschaft, Forschung und Kunst die sudanesische Delegation und weitere Gäste im Rahmen einer Vorbesichtigung, zu der auch die Presse geladen war, begrüßt. Dem Ausstellungsrundgang hatte sich ein Essen im Vierschimmelsaal der Münchner Residenz für die ausländischen Gäste angeschlossen.

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Auf dem Bild: Hassan Hussein Idriss, Generaldirektor der sudanesischen Altertümerverwaltung; Dr. Sylvia Schoske, Ltd. Direktorin des Staatlichen Museums Ägyptischer Kunst München; S.E Mohamed Abu Zeid Mustafa, Minister für Altertümer, Tourismus und Naturschutz des Sudan; Prof. Dr. Dietrich Wildung, Leiter Naga Projekt, ehem. Direktor des Ägyptischen Museums Berlin; Dr. Abdelrahman Ali Mohamed Rahman, Generaldirektor der Museen im Sudan; Prof. Yusif Fadul Hassan, Präsident des Beirats der Altertümerverwaltung; Dr. Alfred Grimm, stellv. Direktor des SMÄK

 

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Sonderausstellung “Königsstadt Naga”:
Reden zur Eröffnung am 15. April 2011

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Sonderausstellung “Königsstadt Naga”: Sudanesische Delegation II

Von links nach rechts: Dr. Alfred Grimm, Dr. Abdel Rahman, Hassan Hussein Idriss, Prof. Yussif Fadul Hassan, Prof. Dietrich Wildung

Unter Führung von Dr. Alfred Grimm (links) besichtigt die zur Eröffnung der Naga-Ausstellung angereiste sudanesische Delegation den Neubau des Ägyptischen Museums in München: Dr. Abdel Rahman, Direktor aller sudanesischer Museen, Hassan Hussein Idriss, Generaldirektor der Sudanesischen Altertümerverwaltung und Prof. Yussif Fadul Hassan, Präsident der Altertümerverwaltung (v.l.n.r.). Beim Rundgang dabei war auch Prof. Dietrich Wildung, ehemaliger Direktor des Ägyptischen Museums Berlin und Leiter des Naga-Projekts (rechts).

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Sonderausstellung “Königsstadt Naga”: Sudanesische Delegation I

Prof. Dietrich Wildung, Dr. Abdel Rahman und Sharaf Salih

Die ersten Mitglieder der sudanesischen Delegation zur Eröffnung der Naga-Ausstellung sind am Montag eingetroffen. Prof. Dietrich Wildung, ehemaliger Direktor des Ägyptischen Museums in Berlin, Leiter des Naga-Projekts und Kurator der Ausstellung, führt Dr. Abdel Rahman, den Direktor des National-Museums in Khartoum und Sharaf Salih, der als Kurier die Objekte begleitet, durch die (noch nicht ganz fertige) Ausstellung in den Räumen des Ägyptischen Museums in der Münchner Residenz. Für die Eröffnung am kommenden Freitag wird auch der sudanesische Minister für Altertümer, Tourismus und Naturschutz, Mohamed Abu Zeid Mustafa, erwartet.

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