Panorama

Museum Ägyptischer Kunst München Das Haus Sammlungsgeschichte

Navigation überspringen und direkt zum Inhalt

"Werke ausgezeichneter Schönheit will ich erwerben" - 350 Jahre Sammlungsgeschichte

Isis Ägyptische Statuette der Göttin Isis
Das Ägyptische Museum München verdankt sein Entstehen der Kunstsinnigkeit bayerischer Fürsten. Es reicht in seinen Anfängen bis in die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts zurück, als Herzog Albrecht V. von Bayern (1550-1579) die Residenzstadt München zur “Stadt der Künste” erhob. Für seine Kunstkammer erwarb er die ersten Aegyptiaca in Rom, die sich allerdings nur in der literarischen Überlieferung erhalten haben.

In den zweieinhalb Jahrhunderten nach Herzog Albrecht V. scheinen keine ägyptischen oder ägyptisierenden Objekte für München erworben worden zu sein. Bislang geben die Archive jedenfalls keinerlei Hinweise auf solche Ankäufe. Dies ändert sich erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts.

Kurfürst Karl Theodor (1779-1799)

Aegyptisierende Goetterfiguren Ägyptisierende Götterfiguren, Alabaster und Marmor.
hatte seine in Italien gesammelten Antiken in Mannheim aufgestellt. Unter ihnen befand sich eine Gruppe ägyptisierender Figuren, die im Rahmen der Ägyptenrezeption des Barock entstanden waren. Kurfürst Max Joseph ließ diese Antiken dann 1803 aus dem Mannheimer Antikensaal nach München überführen, wo sie zunächst in der Kunstkammer der Residenz Aufstellung fanden. 1808 wurden sie dann in das Königliche Antiquarium überführt.

Der kunstsinnige Kronprinz

Standbild des Gottes Horus Standbild des Gottes Horus Syenit
Schon als Kronprinz hatte Ludwig I. von Bayern (1825-1848) mit dem Ankauf ägyptischer und ägyptisierender Objekte begonnen, die er im "Aegyptischen Saal" seiner geplanten Glyptothek aufstellen wollte "als Hauptgrundlage, auf welcher die griechische Plastik ruht". Damit gründet sich die heutige Konzeption des Ägyptischen Museums als Kunstmuseum auf die Erwerbungsphilosophie Ludwigs I.

Seine erste Erwerbung 1815 war gleich auch eine seiner bedeutendsten: die lebensgroße Statue eines falkenköpfigen Gottes, bereits in der Antike nach Rom gekommen, dort 1635 schon entdeckt und zu einer Ikone der Ägyptenbegeisterung im 17. und 18. Jahrhundert geworden - das am häufigsten abgebildete altägyptische Denkmal jener Zeit. Der Ankauf der aus der Sammlung Barberini erworbenen Statue war von Martin von Wagner vermittelt worden.

München - bedeutender Standort ägyptischer Kunst

Stehende Isis Stehende Isis
Noch im selben Jahr ersteigert Leo von Klenze für den Kronprinzen - wiederum in Rom - einen überaus bedeutenden Komplex von acht großformatigen ägyptischen Denkmälern aus der Sammlung Allbani, darunter einen römischen Obelisken und ägyptisierende Statuen aus der Villa Adriana in Tivoli: Kaiser Hadrian hatte sie zur Ausstattung seines dort errichteten Heiligtums ägyptischer Gottheiten schaffen lassen. Damit ist München innerhalb kürzester Zeit neben Paris und London, Turin und Berlin zu einem der wichtigsten Standorte ägyptischer Kunst in Europa geworden.

Wenige Jahre später, 1821, hätte der Kronprinz Ludwig durch den Ankauf der Sammlung Drovetti, französischer Generalkonsul in Ägypten, München an die Spitze der ägyptischen Sammlungen bringen können - doch er zögert, und die Objekte gehen nach Turin. Allerdings wird er später doch noch einige überaus bedeutende Einzelstücke für die Glyptothek erwerben, darunter die Würfelstatue des Bekenchons, eine der wichtigsten Skulpturen der Ramessidenzeit

Ludwig 1 König Ludwig I. als Mäzen (Detail)

Königlich Bayerische Akademie der Wissenschaften

Sarg der Herit-Ubechet Sarg der Herit-Ubechet
Unabhängig von den Erwerbungsaktivitäten Ludwigs I. drängte auch die Königlich Bayerische Akademie der Wissenschaften auf den Ankauf ägyptischer Denkmäler. Ihr Interesse lag allerdings weniger in der Kunst als vielmehr bei Särgen, Stelen und Mumien, war also antiquarisch-wissenschaftlich bestimmt. Ihre Erwerbungen wurden in einem eigenen Saal im Erdgeschoß des in der Neuhauser Straße gelegenen Akademiegebäudes aufgestellt.

1820 wurden einige prachtvoll dekorierte Särge der Dritten Zwischenzeit, Mumien und kleinere Aegyptiaca aus der Sammlung Sieber angekauft. Nach langwierigen Verhandlungen konnte schließlich 1825 auch die Sammlung des Hauptmanns Ferdinand Michel erworben werden, die dieser selbst in Ägypten zusammengetragen hatte. Sie bestand aus 17 Stelen des Mittleren und Neuen Reiches, bis heute eine wichtige Objektgruppe des Museums.

Kelch Kelch mit Namen Thutmosis’ III.

Sämtliche Aegyptiaca der Akademie waren in das Antiquarium in der Residenz überstellt worden, wie aus dessen vollständigem Verzeichnis aus dem Jahr 1845 hervorgeht. Lediglich einige der großformatigen Stelen waren schon Ende der 20er Jahre in die 1830 eröffnete Glyptothek überführt worden.

Neben den in Antiquarium und Glyptothek ausgestellten ägyptischen Denkmälern gab es jedoch noch eine weitere Gruppe, die für den “Ägyptischen Saal” der 1844 im Galeriegebäude am Hofgarten eröffneten „Vereinigten Sammlungen König Ludwigs I.“ bestimmt waren. Dazu gehörte das berühmteste Glasgefäß aus Ägypten, ein Kelch mit dem Namen Thutmosis’ III., aus der Sammlung Dodwell.

Das richtige Gespür

Armband Armband der Königin Amani-shakheto
Die letzte und bedeutendste Erwerbung Ludwigs I. für seine "Vereinigten Sammlungen" war die erste Hälfte des Goldschmuckes einer meroitischen Königin. 1834 von Guiseppe Ferlini, einem Arzt und Abenteurer in der Pyramide der Amani-shakheto in Meroe (Sudan) entdeckte Schatz ist bis heute in seiner Art einmalig. Von vielen Ägyptologen mangels Vergleichsstücken damals in seiner Echtheit bezweifelt, erwirbt Ludwig 1839 auf Anraten von Martin von Wagner in Rom einen Teil des Gesamtkomplexes.

Richard Lepsius, der Begründer der deutschen Ägyptologie, sieht den verbleibenden Teil des Goldschmuckes 1842 in London, wo er sich zur Vorbereitung seiner berühmten Ägypten-Expedition zu Studienzwecken aufhielt. Als er dann zwei Jahre später selbst in Meroe steht und die Informationen von Ferlini bestätigt findet, wird er aus dem Sudan eine Depesche nach Berlin schicken und seinem König Friedrich Wilhelm IV. dringend den Ankauf der verbliebenen Partie des Schmuckes empfehlen - was dieser befolgt. So erfolgt nachträglich aus Preussen die wissenschafliche Bestätigung für die Richtigkeit der Entscheidung des bayerischen Königs...

Freiherr Friedrich Wilhelm von Bissing

Relief eines opfernden Priesters Relief eines opfernden Priesters
Mit dem Tod von Ludwig I. war die Zeit bedeutender Erwerbungen zunächst einmal beendet, die folgenden vier Jahrzehnte verzeichnen lediglich Kleinfunde wie Ostraka und Papyri als Neuzugang. Dies ändert sich erst wieder zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit dem Engagement privater Mäzene und Förderer. Von herausragender Bedeutung ist dabei Freiherr Friedrich Wilhelm von Bissing (1873-1956), 1906 bis 1920 Honorarprofessor für Ägyptologie an der Ludwig-Maximilian-Universität in München, für zwei weitere Jahre Ordinarius seines Faches.

Freiherr von Bissing hat als Archäologe nicht nur seine eigenen Grabungen in Ägypten finanziert, sondern auch andere Unternehmungen finanziell unterstützt. Nach den damals gültigen Bestimmungen der Altertümerverwaltung stand ihm daher ein Teil der Fundstücke zu. Bereits zu Lebzeiten hat von Bissing großzügige Schenkungen für den “Aegyptischen Saal” der Glyptothek gemacht, darunter zahlreiche Reliefs des Alten Reiches, die bislang in den Beständen noch nicht vertreten waren. Daneben bewies er eine glückliche Hand bei Ankäufen, und schließlich konnte in den 50er Jahren noch eine ganze Reihe qualitätvoller Objekte aus seiner Privatsammlung erworben werden.

"Sammelansatz" und Freundeskreis

Falkenkopf Falkenkopf
Heute stammen die Mittel zum Ankauf ägyptischer Denkmäler aus dem sogenannten "Sammelansatz", den das Finanzministerium des Freistaats Bayern den Staatlichen Museen und Sammlungen zur Verfügung stellt. Unterstützt werden die Bemühungen der einzelnen Häuser, im Sinne von Ludwig I. "Werke ausgezeichneter Schönheit zu erwerben", durch private und öffentliche Stiftungen wie etwa dem Ernst von Siemens-Kunstfond, der Bayerischen Landesstiftung oder der Kulturstiftung der Länder.

Für das Ägyptische Museum von großer Bedeutung ist die Förderung durch seinen Freundeskreis des Ägyptischen Museums München e.V., der seit seiner Gründung 1976 immer wieder bedeutende Objekte erworben hat. Dabei hat sich der Freundeskreis der Erwerbungsphilosophie des Museums, aufbauend auf dem Grundsatz Ludwigs I. angeschlossen: die Konzentration auf wenige, aber hochkarätige Objekte, die sich dem Konzept einer Sammlung ägyptischer Kunst einfügen.

Film zur Sammlungsgeschichte der Akademie

An den Seitenanfang